Synkopen und andere Ohnmachtsanfälle

Welche 4 Säulen führen Dich zu einer Abgrenzung von kardialen und neurogenen Synkopen? Prof. Rolf Diehl ist Neuropsychologe am Alfried-Krupp-Krankenhaus in Essen-Rüttenscheid, wo er unter anderem das „autonome Labor“ leitet. Rolf Diehl ist federführender Autor der aktuellen Leitlinie zum Thema Synkopen

Definition von Synkopen

Synkopen werden als Ohnmachtsanfälle definiert, die aus einer globalen Minderung der zerebralen Durchblutung resultieren. Im Gegensatz dazu steht z.B. eine Ohnmacht durch eine Hypoglykämie. Synkopen werden grob in kardiogene und neurogene Synkopen unterteilt.

Kardiogene Synkopen

Eine häufige Ursache für kardiogene Synkopen ist z.B. ein AV-Block oder andere Herzrhythmusstörungen. Kardiogene Synkopen treten häufig ohne Prodromi – “wie aus dem Nichts” auf.

 

POTS

Eine Sonderform der Synkopen ist das sog. posturale Tachykardiesyndrom (POTS). Diese resultieren aus einer Überaktivierung des Sympathikus.

Neurogene Synkopen

Neurogene Synkopen, also Synkopen, die aus einer Funktionsstörung des peripheren oder zentralen Nervensystems resultieren, werden noch einmal unterteilt in vasovagale Synkopen (“Reflexsynkope”) und die orthostatische Hypotension. Synkopen im Rahmen eines vasovagalen Reflexes (Hemmung des Sympathikus) treten typischerweise nach längerem Stehen, beim Anblick von Blut oder einem Schmerzreiz auf. Synkopen bei orthostatischer Hypotension führen zu einer Synkope kurz nach dem Aufstehen aus dem Sitzen oder Liegen. Klassischerweise gehen beiden Synkopen-Formen mit Prodromi wie Unwohlsein, “Schwarz- werden” vor den Augen, Schwindel und Kaltschweißigkeit einher.

Ursachen von neurogenen Synkopen

Beim Vorliegen von neurogenen Synkopen muss nach einer neurologischen Grunderkrankung geforscht werden. Häufigste Ursache für diese Form der Ohnmachtsanfälle sind periphere Neuropathien wie die diabetische Polyneuropathie. Differentialdiagnostisch müssen aber auch Systemerkrankungen wie ein M. Parkinson oder eine Multisystematrophie abgeklärt werden.

Diagnostik im “autonomen Labor”

Prof. Diehl empfiehlt im Hinblick auf die sinnvolle Diagnostik bei Ohnmachtsanfällen folgende 4 Säulen:

  1. Anamnese
  2. körperliche Untersuchung
  3. 12-Kanal-EKG
  4. aktive Stehtest (früher Schellong-Test)

Dabei können bereits durch eine intensive Eigen- und Fremdanamnese wichtige Hinweise für die Ätiologie der Ohnmacht gesammelt werden. Mit Hilfe des EKGs können kurzfristig relevante Herzrhythmusstörungen herausgefiltert werden, die das weitere diagnostische Vorgehen maßgeblich beeinflussen. Der sog. aktive Stehtest dauert im Vergleich zum Schellong-Test nur noch 3 Minuten und umfasst die Blutdruck- und Puls-Messung nach dem Aufstehen.

Konvulsive Synkopen

Häufig kommt es im Rahmen von Synkopen zu kurzen motorischen Entäußerungen (typischerweise arrhythmisch) der Extremitäten, die Beobachter dazu verleiten können von einem epileptischen Anfall zu sprechen. Diese unwillkürlichen Bewegungen werden im Rahmen der zerebralen Minderperfusion aus Arealen im Hirnstamm und in den Basalganglien generiert und sind nicht epileptogenen Ursprungs.

Differenzialdiagnosen zu Synkopen

Die Abgrenzung zum epileptischen Anfall ist nicht immer einfach. Wer sich daher auch zum Thema „Pharmakotherapie der Epilepsie“ fortbilden möchten, sollte unbedingt bei unserem Podcast mit Volker Sepeur reinhören.

Dies ist die 50. Folge des Klinisch Relevant Mediziner-Podcast!

Herzlichen Dank, daß Du dabei bist!!

Viel Spaß beim Hören und Lernen!