Welche Rechte haben Patienten mit schwerer Demenz im Rahmen des Betreuungsgesetzes?

Im klinischen Alltag kommen wir immer wieder mit Patienten in Kontakt, die z.B. im Rahmen einer fortgeschrittenen Demenz-Erkrankung nicht in der Lage sind, Sachverhalte abzuwägen und rationale Entscheidungen zu treffen. In diesem Zusammenhang ist es wichtig und sinnvoll die juristischen Begriffe “freier Wille” und “natürlicher Wille” zu kennen und zu verstehen. Im aktuellen Podcast-Interview im Espresso-Format sprechen wir mit Heribert Kirchner, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie genau über dieses Thema.

Wer hat einen freien Willen? Wann hat man einen natürlichen Willen?

Der freie Wille wird allen “gesunden” Menschen vom Gesetzgeber zugesprochen. Aber: ist das Urteilsvermögen und die Fähigkeit zum Treffen einer rationalen Entscheidung durch eine Erkrankung, wie z.B. eine Demenz, gestört so kommt der Begriff des “natürlichen Willens” zum Tragen. Die Abwesenheit des freien Willens bedeutet, dass der Patient weder geschäfts– noch einwilligungsfähig ist. Ein solcher Patient kann weder durch verbale Willensbekundungen noch Gesten seinen Willen äußern. Das Thema ist juristisch ebenfalls von Bedeutung in Bezug auf die Fixierung von psychisch erkrankten Menschen

Wie ist mit dem dementen Patienten umzugehen?

Der natürliche Wille wird vom Gesetzgeber aber in seiner Bedeutung auch als sehr hoch angesiedelt. Therapeuten sollen diesem so weit wie möglich nachgehen. Allerdings gilt das Gebot der Verhältnismäßigkeit. Das Grundrecht und der natürliche Wille sollen einem Patienten ein weitestgehend selbstbestimmtes Leben ermöglichen. Wichtig sind die Begriffe “freier und natürlicher Wille” auch im Zusammenhang mit dem Betreuungsgesetz: Ein gesetzlicher Betreuer darf nicht gegen den freien Willen eines Erwachsenen bestellt werden.

Viel Spaß beim Hören und Lernen!