Mit Prof. Dr. Christian Grüneberg

Schmerzen auf/hinter der Kniescheibe, auch bekannt als Schmerzen im vorderen Knie oder
Patellofemorales Schmerzsyndrom ist ein Syndrom, das oft in den sportmedizinischen Ambulanzen und physiotherapeutischen Praxen behandelt wird. Menschen mit patellofemoralen Schmerzen beschreiben einen allmählichen Beginn der Beschwerden, der typischerweise nach einer plötzlichen Zunahme von belastenden Aktivitäten auftritt – oft durch Laufen, Springen oder wiederholtes Hocken. Veränderungen der Trainingseinheiten bzw. des Gleichgewichtes zwischen der Belastung und der Belastbarkeit spielen oftmals eine wesentliche Rolle. Sobald eine Person die ersten Symptome verspürt, können selbst einfache Tätigkeiten wie langes Sitzen oder Treppensteigen, schwierig sein. Bildgebende Verfahren, wie die Magnetresonanztomographie, ist nicht hilfreich bei der Erkennung des Patellofemoralen Schmerzsyndroms. Kliniker diagnostizieren patellofemorale Schmerzen durch die Beurteilung von Bewegungen, die schmerzhaft sind, wie z. B. das Hocken und nach Ausschluss andere mögliche Erkrankungen, einschließlich Iliotibialbandschmerzen und Patellatendinopathie. PFSS wird auch oftmals als Chondropathia Patellae bezeichnet, dies ist nicht zu verwechseln mit der Chondromalazia Patellae. Bei dieser handelt es sich sehr wohl um eine Veränderung des Knorpels, was auf den MRT-Bildern auffällig erscheint.

Daten zur Prävalenz zeigen, dass körperlich aktive Frauen ein höheres Risiko für patellofemorale Schmerzen im Vergleich zu körperlich aktiven Männern haben. Die Spezialisierung auf eine einzige Sportart kann das Risiko auf PFSS erhöhen. Schwäche der Oberschenkelmuskulatur kann das Risiko von PFSS ebenfalls erhöhen. Größe, Körpergewicht und Fußstellung sagen nicht vorher, ob jemand diese Schmerzen entwickeln wird. Weil patellofemorale Schmerzen in der Regel nicht ohne eine Behandlung verschwinden, sollten Menschen mit diesen Schmerzen eine angemessene physiotherapeutische Behandlung erhalten.

Eine angemessen graduierte zw. gestuftes Bewegungstherapie, die sich auf die Kräftigung der Hüft- und Knieregion fokussiert, scheint den besten Ansatz zur Behandlung von patellofemoralen Schmerzen darzustellen. Taping der Kniescheibe oder entsprechende Schuheinlagen können hilfreich sein, aber nur in Kombination mit einer individualisierten Bewegungstherapie. Passive Behandlungen wie Ultraschall, elektrische Stimulation, Manuelle Therapie oder Dry Needling sind bei der Behandlung von PFSS nicht hilfreich und sollten insbesondere nicht als alleiniges Mittel angewendet werden. Physiotherapeut*innen können die Patienten mit PFSS bei den Zielvorgaben für die Rückkehr zu den Alltagsaktivitäten und zum Sport/der Arbeit (Return to Sports/Return to Activity) unterstützen, indem sie die Patienten anleiten, die Häufigkeit, Intensität und Dauer von Aktivitäten, die das Knie belasten, langsam steigern. Die Genesung kann einige Zeit in Anspruch nehmen, oft 12 Wochen oder länger. Menschen mit patellofemoralen Schmerzen, die länger als 2 Monate oder stärkere Schmerzen verspüren, sollten mit einer längeren Genesungszeit rechnen.

Literatur:

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Reid, H. Harper, J., Wood, S. (2019) Patellar Femoral Pain Syndrome (PFPS) Advice and Management.

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Wir wünschen viel Spaß und viele neue Erkenntnisse beim Hören!


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