Hilfreiche Informationen und Tips für die Einschätzung der Suizidalität und den Umgang mit suizidalen Patienten für Deine klinische Tätigkeit

Suizidalität ist ein Thema, dass im klinischen Alltag regelmäßig vorkommt. Die zweithäufigste Todesursache bei jungen Menschen ist eine Selbsttötung….

Für Kollegen, die im Notarztdienst tätig sind, gehört der Umgang mit suizidalen Patienten sogar mit zu den häufigsten Einsatzgründen. Im Gegensatz dazu spielt dieses Phänomen in unserer ärztlichen Ausbildung nur eine sehr untergeordnete Rolle, was auf der Seite des Behandlungs-Teams zu Unsicherheiten führen kann.

Heribert Kirchner, Facharzt für Psychotherapie und Psychotherapie, spricht im Interview mit uns über den Umgang mit lebensmüden Patienten und die Einschätzung der individuellen Gefährdung durch Suizidalität.

Zunächst sollte der psychopathologische Befund erhoben werden. Dabei gibt es folgende “Red flags”:

1. Affektiver Formenkreis:

  • ausgeprägte Niedergestimmtheit
  • Gefühl der Hoffnungslosigkeit
  • Fehlende affektive Schwingungsfähigkeit

2. Schizophrener Formenkreis:

  • Sinnestäuschungen (insbesondere akustische Halluzinationen, imperative Stimmen)
  • Anspannungszustände
  • Ängste
  • Verfolgungswahn

Zudem ist zur Beurteilung der Suizidalität auch die Erhebung der psychosozialen und medizinischen Anamnese von großer Bedeutung. Folgende Aspekte sind dabei von besonderer Bedeutung:

  • Alter und Geschlecht des Patienten
  • Zugehörigkeit zu sozialen Randgruppen
  • Soziales Umfeld
  • sozioökonomischer Status
  • Bestehen einer psychiatrischen Vorerkrankung (insbesondere depressive Störungen in Kombination mit Suchterkrankungen)

Eine gute Hilfestellung zur Beurteilung des Suizidalitätsrisikos kann dabei die NGASR-Skala (Nurses Global Assessment of Suicide Risk) sein, die Du hier kostenlos herunterladen kannst:

NGASR-Skala

In das Gespräch zur Krisenintervention sollte aber auch dem Patienten die Möglichkeit zur Selbsteinschätzung der Akuität der Situation gegeben werden. Hilfreich ist auch -falls möglich- die Einbindung von Angehörigen oder Freunden.

Zur “Entspannung” und Entaktualisierung der Situation Kann es zudem nützlich sein Benzodiazepine, insbesondere Lorazepam (1-2,5mg) als Akutmedikation zu verwenden.

Wichtigster Rat zum Schluß: Suizid-Bekundungen bitte immer ernst nehmen!!

Disclaimer:

Bei den Podcasts von Klinisch Relevant handelt es sich um Fortbildungsinhalte für Ärzte und medizinisches Personal und keinesfalls um individuelle Therapievorschläge. Sie ersetzen also keineswegs einen Arztkontakt, wenn es um die Behandlung von Erkrankungen geht. Dabei spiegeln die Beiträge den Kenntnisstand unserer medizinischen Partner und Experten wider, den sie nach besten Wissen und Gewissen mit Dir teilen. Häufig handelt es sich dabei auch um persönliche Erfahrungen und subjektive Meinungen. Wir übernehmen für mögliche Nachteile oder Schäden, die aus den im Podcast gegebenen Hinweisen resultieren, keinerlei Haftung. Bei gesundheitlichen Beschwerden muss immer ein Arzt konsultiert werden! Weitere Informationen findest Du auf unserer Website: www.klinisch-relevant.de

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