Telemedizin und Videosprechstunden

Alles was Du zu Videosprechstunden wissen musst: Rahmenbedingungen, Kosten, Anbieter, Nutzen etc.

 

Herzlich Willkommen zum heutigen Klinisch Relevant Podcast mit Dr. med. Alice Martin zum Thema Telemedizin!

Unser Gast ist Mitgründerin der beiden Start-Ups Dermanostic und Medilogin, hat in Düsseldorf Humanmedizin studiert und befindet sich in der Facharztausbildung zur Dermatologin.

Alice erklärt Dir alles, was Du zum Thema Telemedizin und Videosprechstunde wissen musst. Aufgrund der aktuellen Pandemie ist diese Thematik ja mit einem mal hochaktuell geworden!

Wie wird die Telemedizin genutzt?

  • Videosprechstunden: Synchrone Arzt-Konsultationen
  • Bild-Text-Verfahren: Ein Arzt erhält z.B. ein Foto von einem Hautbefund oder erhält Röntgen-Bilder und bearbeitet den Fall asynchron. In der Dermatologie ist es so möglich, im Vergleich zur Videosprechstunde, deutlich effizienter zu arbeiten

Welchen rechtlichen Rahmen gibt es für die Telemedizin?

  • Telemedizin: Eine Konsultation, die räumlich und/oder zeitlich getrennt stattfinden kann.
  • Erstmals schon 1980 angewendet. Ursprünglich in Form von Telefonaten.
  • Die technischen Möglichkeiten der heutigen Telemedizin sind schon länger vorhanden. Es hat allerdings einige Zeit gedauert, bis die Telemedizin abrechnungsfähig war.
  • Anzahl der erlaubten Videosprechstunden war auf 20% aller Behandlungsfälle des Arztes begrenzt. Aktuell sind aufgrund der Corona-Pandemie Videosprechstunden bis zum 31.03.2021 unbegrenzt möglich. (Stand: 19.12.2020)
  • Seitdem die Begrenzung aufgehoben wurde, setzt sich die Telemedizin vermehrt durch.
  • Die für die Telemedizin genutzten Programme sind hinsichtlich des Datenschutzes geprüft und zertifiziert.
  • Digitales Versorgungsgesetz regelt unter anderem:
    • Art der Telemedizin
    • Abrechnung der Telemedizin bzw. der verschriebenen digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA)
    • Zertifizierung und Sicherheit

Wer darf Videosprechstunden für wen anbieten?

  • Jeder Arzt darf Videosprechstunden anbieten
  • Es gibt Plattformen, die auf Videosprechstunden spezialisiert sind. Das heißt, sie bieten dem Arzt und den Patienten eine sichere, zertifizierte Datenverbindung an.
  • Der niedergelassene Arzt muss für diese Plattform eine Gebühr bezahlen.
  • Nachteil der Videosprechstunde:
    • Der Zeitfaktor: Der Termin erfolgt synchron
    • Gegebenenfalls sind weitere Untersuchungen nötig. Der Patient müsste dann nochmals vorstellig werden.
  • Aufgrund der Corona-Pandemie dürfen aktuell reine Video-Konsultationen stattfinden, ohne den Patienten vorher physisch gesehen zu haben.
  • Aktuell ist außerdem eine Krankschreibung nach einer der Video-Konsultation möglich.
  • Die gesetzlichen Bestimmungen zur Telemedizin sind Ländersache.

Welche großen Anbieter gibt es für die Plattformen?

  • Die Plattformen benötigen keine Informationen von den Patienten, sondern dienen als reine Kontaktvermittlung zwischen Arzt und Patient.
  • Der Anbieter muss zertifiziert sein und eine Selbstauskunft bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und dem GKV-Spitzenverband vorgelegt haben.
  • Erst dann darf die Plattform von den Ärzten genutzt werden.
  • Weiterhin muss eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung vorliegen.
  • Beispiele für Anbieter:
    • Kry
    • TeleClinic
    • Doctolib
    • Arztkonsultation24
    • Samedi
  • Die Patienten könnten entweder gezielt ihre Ärzte nach der genutzten Plattform fragen und diese dann nutzen, oder online nach Videosprechstunden suchen und auf einer Plattform auf einen unbekannten Arzt treffen.

Mit welchen Kosten müssen Ärzte rechnen? Wie wird vergütet?

  • Kosten: Es wird meist eine Grundgebühr (ca. 50-100€) von der Plattform erhoben. Manche Plattformen rechnen den einzelnen Patienten zusätzlich ab.
  • Die Preise auf den Plattformen variieren zwischen ca. 20-40€. Davon werden die behandelnden Ärzte bezahlt.
  • Es gibt zusätzliche Gebühren für Behandlungen am Wochenende. Diese Zuschläge werden dem Patienten nicht erstattet.
  • Der Arzt bekommt pro Konsultation ca. 18-20€.
  • Privatärztlich gibt es einen größeren Spielraum hinsichtlich der Abrechnung. Ausgehend von dem Betrag, den die gesetzlichen Kassen zahlen, werden Faktoren in bestimmter Höhe (z.B. 2,7-facher Satz) geltend gemacht.
  • Ganz wichtig ist die sorgfältige Dokumentation in den Videosprechstunden. Beispielsweise können auch Untersuchungen wie die Neurologische Untersuchung abgerechnet werden. Allerdings muss im Streitfall die Dokumentation nachgewiesen werden können.

Zukunftsperspektiven

  • Es muss in Zukunft genau evaluiert werden, welche Systeme sich langfristig durchsetzen können.
  • In der Dermatologie haben sich Videosprechstunden im Vergleich zu Bild-Text-Verfahren als ungünstig erwiesen.
  • Es muss geklärt werden, wo beispielsweise Bilder aus Videosprechstunden gespeichert werden können und wie das Patienteneinverständnis dokumentiert wird.
  • Es wird wahrscheinlich zunehmend Tele-Praxen geben. Diese werden ergänzend zu den niedergelassenen Ärzten eine eigene Domäne bilden.
  • Es wird aktuell viel an Künstlicher Intelligenz (KI) geforscht. Perspektivisch werden diese sicherlich als ergänzendes Tool in Kliniken und Praxen genutzt.

Was ist Dermanostic?

Bei Dermanostic senden Patienten drei Bilder von ihrem Hautbefund und einen ausgefüllten Anamnesebogen an die fachärztlichen Kollegen von Dermanostic. Sie erhalten dann innerhalb von 24 Stunden eine Diagnose und, wenn nötig, ein Rezept.

  • Es reicht fast immer das Foto des Befundes.
  • Zusätzlich gibt es einen Fragebogen mit 10 Fragen, den man in der App beantworten muss.
  • Laut einer Studie von 2007 können mit bestimmten Fragen fast alle Befunde aufgeklärt werden. Typische Fragen:
    • Wie lange bestehen die Hautveränderungen?
    • Schmerzen?
    • Juckreiz?
    • Haben im Umfeld weitere Personen diese Beschwerden? (Stichwort: Infektionen, parasitäre Erkrankungen)
    • Allergien?
    • Haustiere?
    • Medikamente?

Wie viele Kollegen arbeiten bei Dermanostic?

  • 4 Gründungsmitglieder
  • 6 Ärzte sind auf der Website gelistet. Es sind allerdings noch weitere Ärzte für Dermanostic tätig.

Alles weitere zu Alice findest Du hier bei LinkedIn